Von der Idee zum ersten Fahrgast: Wir führen dich Schritt für Schritt durch die Gründung eines Taxiunternehmens — Fachkunde, Konzession, Fahrzeug, Versicherung.
Ein eigenes Taxiunternehmen — für viele ist das der Traum von Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Doch der Weg vom Wunsch zur Konzession ist mit behördlichen Anforderungen, Formalitäten und Mindestvoraussetzungen gepflastert. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Gründungsprozess — damit du weißt, was auf dich zukommt, was es kostet und wie du typische Fehler vermeidest.
Voraussetzungen auf einen Blick
Bevor du den ersten Antrag stellst, solltest du wissen: Ein Taxiunternehmen zu gründen ist mehr als ein Gewerbeschein ausfüllen. Der Gesetzgeber stellt klare Anforderungen an Gründer:
| Voraussetzung | Details | |--------------|---------| | Fachliche Eignung | IHK-Fachkundezeugnis nach § 13 PBefG + § 4 PBZugV (oder eingetragener Betriebsleiter) | | Finanzielle Leistungsfähigkeit | 2.250 € Eigenkapital für das erste Fahrzeug, 1.250 € je weiteres (§ 2 PBZugV) | | Persönliche Zuverlässigkeit | Polizeiliches Führungszeugnis ohne einschlägige Einträge | | Geordnete Vermögensverhältnisse | Keine Insolvenzen, keine Steuerschulden | | Staatsangehörigkeit | EU-Bürger oder gültige Arbeitserlaubnis |
Alle diese Voraussetzungen musst du bei der Genehmigungsbehörde nachweisen. Fehlende Unterlagen führen zu Verzögerungen — plane daher von Anfang an sorgfältig.
Schritt 1: Fachkunde erwerben
Der erste und wichtigste Schritt ist die IHK Fachkundeprüfung nach § 13 PBefG + § 4 PBZugV. Ohne das Fachkundezeugnis gibt es keine Konzession.
Die Prüfung deckt 5 Sachgebiete ab:
- Recht (PBefG, StVO, Arbeitsrecht)
- Kaufmännische Betriebsführung und Finanzen
- Steuer- und Finanzwesen
- Technische Normen und Betriebsführung
- Straßenverkehrssicherheit
Die Vorbereitung dauert je nach Vorwissen und Lernintensität 2–6 Wochen. Unser Intensivkurs komprimiert den Lernstoff auf wenige Tage und hat eine Bestehensquote von über 97%.
Tipp: Falls du lieber einen Betriebsleiter eintragen lassen möchtest (statt selbst zu prüfen), rechne mit laufenden Kosten von 400–600 € pro Monat. Langfristig ist die eigene Fachkunde günstiger — lies dazu unseren Ratgeber Betriebsleiter ablösen.
Schritt 2: Gewerbeanmeldung
Noch vor dem Konzessionsantrag meldest du dein Gewerbe beim zuständigen Gewerbeamt an. Das kostet je nach Gemeinde zwischen 20 und 50 €.
Was du anmeldest: „Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen" als Gewerbezweck. Unternehmensform: Einzelunternehmen, UG, GmbH — je nach deiner Planung.
Wichtig: Die Gewerbeanmeldung allein berechtigt dich nicht zur Personenbeförderung. Dafür brauchst du die Konzession.
Schritt 3: Konzessionsantrag stellen
Die Taxikonzession nach §47 PBefG wird von der zuständigen Genehmigungsbehörde erteilt — in Städten das Ordnungsamt, auf dem Land das Landratsamt.
Den Antrag stellst du schriftlich und legst folgende Unterlagen bei:
- Ausgefüllter Antrag auf Erteilung einer Genehmigung nach §47 PBefG
- IHK-Fachkundezeugnis (oder Bestellungsnachweis eines Betriebsleiters)
- Polizeiliches Führungszeugnis (Belegart O — für Behörden, nicht älter als 3 Monate)
- Auszug aus dem Gewerbezentralregister
- Eigenkapitalnachweis (Bankbestätigung)
- Fahrzeugnachweis (Kaufvertrag, Leasingvertrag oder verbindliche Reservierungsbestätigung)
- Nachweis der Taxi-Haftpflichtversicherung
- Gesundheitszeugnis (teilweise von bestimmten Behörden verlangt)
Der Antragsprozess dauert je nach Behörde 4–12 Wochen. In Großstädten mit Taxikonzessions-Beschränkungen kann es deutlich länger dauern, da es Wartelisten gibt. Details zur Konzession findest du in unserem Ratgeber Taxi Konzession beantragen.
Schritt 4: Fahrzeug beschaffen und ausrüsten
Du kannst die Konzession beantragen und gleichzeitig ein Fahrzeug beschaffen — sie müssen nicht sequenziell ablaufen.
Anforderungen an das Taxifahrzeug
- Farbe: In vielen Städten Beige-Pflicht (z. B. Stuttgart), in anderen Städten freie Farbwahl
- Taxameter: Geeichtes Taximeter mit Drucker, vom TÜV zugelassen
- Dachzeichen: TAXI-Schild, beleuchtet, vom Taxameter gesteuert
- Funknummer: Falls du einer Taxizentrale beitrittst
- Hauptuntersuchung: Fahrzeug muss TÜV-geprüft sein
- Fahrzeuggröße: Mindestens 5 Sitzplätze (inkl. Fahrer)
Kauf vs. Leasing
- Kauf: Niedrigere laufende Kosten, aber hoher Kapitaleinsatz
- Leasing: Geringerer Startkapitalbedarf, dafür monatliche Rate und keine Eigentumsrechte
- Gebrauchtwagen: Günstiger, aber auf Kilometerstand, TÜV und Wartungshistorie achten
Schritt 5: Versicherung abschließen
Für Taxis ist die Taxi-Haftpflichtversicherung gesetzlich Pflicht und deutlich teurer als normale Kfz-Haftpflicht. Zusätzlich empfehlenswert:
- Kaskoversicherung (Voll- oder Teilkasko)
- Insassenunfallversicherung
- Betriebshaftpflichtversicherung
- Krankentagegeld (als Selbständiger kein Krankengeld)
Rechne mit ca. 200–400 € monatlich für eine umfassende Absicherung eines Einzelfahrzeugs.
Schritt 6: Finanzierung und Businessplan
Banken und Fördermittelgeber verlangen einen Businessplan. Darin zeigst du:
- Investitionsbedarf (Fahrzeug, Ausrüstung, Anlaufkosten)
- Umsatzplanung (Fahrten pro Tag, Durchschnittserlös)
- Kostenplanung (Treibstoff, Versicherung, Wartung, Taxizentrale)
- Liquiditätsplanung für die ersten 6 Monate
Fördermöglichkeiten:
- KfW-Startgeld (bis 125.000 €, günstige Zinsen)
- Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslands
- Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit (wenn zuvor arbeitslos)
In unserer Gründungsberatung helfen wir dir, einen realistischen Businessplan zu erstellen und die richtigen Fördertöpfe zu identifizieren.
Schritt 7: Taxizentrale oder Einzelbetrieb?
Du hast zwei Möglichkeiten, Kunden zu bekommen:
Option A: Taxizentrale
Beitritt zu einer lokalen Taxizentrale (z. B. Taxi Stuttgart). Vorteile:
- Auftragseingang durch die Zentrale
- Gemeinschaftliche Disposition
- Bekanntes Rufnummer-System
- Solidarische Struktur
Nachteile: Monatliche Mitgliedsgebühren, Provision pro Fahrt, Regelkonformität
Option B: Unabhängiger Betrieb
Du akquirierst Kunden selbst (App, Stammkunden, Kooperationen). Vorteile:
- Volle Flexibilität
- Keine Provisionen
- Eigenständige Preisgestaltung (im Rahmen des Taxitarifs)
Für Gründer ist der Einstieg über eine Taxizentrale oft einfacher, da Aufträge sofort reinkommen.
Schritt 8: Fahrer einstellen (wenn nicht allein)
Falls du von Anfang an mehr als ein Fahrzeug planst oder Fahrer einstellen willst:
- Fahrer brauchen den P-Schein (Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung)
- Du benötigst einen Arbeitsvertrag
- Anmeldung bei der Sozialversicherung (Krankenkasse, Rentenversicherung, etc.)
- Lohnbuchhaltung
Als Betriebsleiter bist du für die Einhaltung aller gesetzlichen Pflichten verantwortlich.
Was kostet die Gründung insgesamt?
Eine grobe Übersicht der Startkosten:
| Position | Kosten | |----------|--------| | IHK-Fachkundeprüfung (Gebühr IHK Stuttgart) | 255 € | | Vorbereitungskurs | 999 € (Onlinekurs) | | Gewerbeanmeldung | 20–50 € | | Konzessionsgebühr | 200–500 € | | Fahrzeug (gebraucht) | 8.000–20.000 € | | Taxameter + Einbau | 1.500–2.500 € | | Versicherung (1. Jahr) | 2.400–4.800 € | | Rücklagen (6 Monate) | 5.000–10.000 € | | Gesamt | ca. 18.000–38.000 € |
Häufige Fehler bei der Gründung
- Zu wenig Eigenkapital: Die Behörde verlangt Mindestkapital je Fahrzeug — und die Praxis zeigt: Mehr ist besser.
- Unterschätzter Zeitaufwand: Konzessionsverfahren dauern länger als erwartet.
- Keine Marktanalyse: Gibt es genug Nachfrage in deiner Stadt? Wie viele Taxis sind bereits konzessioniert?
- Schlechter Businessplan: Banken lehnen Kredite ab, wenn Zahlen nicht plausibel sind.
- Falsche Versicherung: Eine normale Kfz-Versicherung deckt gewerbliche Personenbeförderung nicht ab.
Fazit
Die Gründung eines Taxiunternehmens ist ein mehrmonatiger Prozess mit klaren gesetzlichen Anforderungen. Wer jeden Schritt systematisch angeht, die richtige Vorbereitung trifft und von Anfang an professionelle Beratung in Anspruch nimmt, vermeidet teure Fehler und Verzögerungen.
Unser Team unterstützt dich bei jedem Schritt — von der Fachkundevorbereitung bis zur Konzessionsbeantragung. Ruf uns einfach an oder vereinbare eine kostenlose Erstberatung.
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Unsere Experten begleiten dich persönlich — von der Kursvorbereitung bis zur Konzession.